Über den Atlantik in 17 Tagen

Über den Atlantik in 17 Tagen

Wir haben dieser Etappe lange entgegengefiebert – sie gleichermaßen gefürchtet wie herbeigesehnt. Und als es dann endlich soweit war, waren wir immer noch zwigespalten. Sind wir wirklich fertig? Ist die Pinelle gut vorbereitet? Haben wir ausreichend Proviant? Ist das Wetterfenster das Richtige? Und am Wichtigsten: Fühlen wir uns bereit für das wohl größte Abenteuer unseres bisherigen Lebens?

Und die Antwort ist klar: Nein. 

Doch wie wir mittlerweile wissen, geht es nicht nur uns so, sondern nahezu allen anderen Segler:innen. Im Schutz des sicheren Hafens oder der ruhigen Ankerbucht ist es so viel einfacher nur von der Abfahrt zu Träumen. Wenn es dann tatsächlich darum geht, die Leinen zu lösen und sich auf den Weg ins Ungewisse zu machen, wird man sich nie bereit fühlen. Und doch siegt die Vorfreude auf das was kommt.

Also haben wir mit anderen Segler:innen in Mindelo gesprochen, uns beraten lassen und dann einfach den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Wir nutzen nach einigen Wochen unruhiger See mit viel Wind und Welle die erste etwas ruhigere Phase. Also lösten wir am 4. Februar die Leinen und machten uns mit einigen anderen Booten zusammen auf den Weg Richtung Karibik.

Schon nach den ersten Meilen trennten sich die Boote. Wo an Land noch die klare Absicht war, zusammen zu bleiben, schien diese wie vom Wind verweht, sobald die Segel gesetzt waren. Nur 3 Boote blieben in unserer Nähe. Und diese sollten die nächsten Tage/Wochen unsere treue Begleitung werden. Wir sprachen täglich über Funk und Whatsapp, versuchten die Kurse und Segelfläche so anzupassen, dass wir nah beieinander blieben.

Und das war wohl auch das Highlight der nächsten 17 Tage. 

Ansonsten verschwimmen die Tage in der Erinnerung zu einem einzigen Geschaukel und dem Herbeisehnen der Ankunft. Die Welle schaukelte uns von Beginn an gut durch und wir starteten bei den Kapverden mit Böen von 35 Knoten (8 Bft). Aber das waren auch die stärksten der Überfahrt. Danach pendelte sich der Wind bei 22-27 Knoten ein und nur die Squalls brachten stärkere Böen. Die Welle sollte stetig zunehmen und das bereitete uns Sorge. Denn schon an Tag 5 hatten wir genug davon, permanent von links nach rechts geworfen zu werden. Eine Überfahrts- 

Lethargie setze ein. Jeder Gang war anstrengend, jeder unnötige Handgriff wurde vermieden. 

Das Gute: Es war auch nur wenig Aktivität notwendig. Die Genua stand gut am Spibaum und wurde nur – je nach Wind – etwas ein oder ausgerollt. Der Autopilot meisterte die Wellen bravourös und so mussten wir nur essen, schlafen und aufpassen. Es lief also eigentlich ganz gut.

Einziger Wehrmutstropfen war, dass irgendwann aufgrund eines Defekts und/oder dem Seegras der Hydrogenerator ausfiel. Da es eher wolkig war und der Autopilot viel Strom verbrauchte, kam unser Energie-Management leider an seine Grenzen. Auch der Benzin-Generator wollte nicht so recht. Es war ihm auch zu schaukelig. Also mussten wir Strom sparen und stellten einen Kühlschrank aus. So war der Verbrauch bei dem immer wärmer werdenden Wasser deutlich reduziert. 

Es gab aber auch einiges Positives: Mit unseren 400 Litern Wasser kamen wir sehr gut hin. Der stromfressende Wassermacher konnte also aus bleiben. Auch unsere Vorräte an frischen Lebensmitteln waren gut bemessen. Am Tag vor unserer Ankunft aßen wir den letzten Apfel und die letzte Orange. 

Und der Himmel war jeden Tag bzw Nacht wieder ein Spektakel. Es begann mit dem einem meist spektakulären Sonnenuntergang und ging weiter mit einem Nachthimmel, der sich mit Sternen so hell und viele wie man es aus Hamburg gar nicht kennt. Abgelöst irgendwann vom aufgehenden Mond, der (vor allem als er voller wurde) die Nacht komplett erhellt hat. Jede Wolke (davon gab es leider auch viele) konnten wir erkennen, jeden Squall nicht nur auf dem Radar sondern auch am Horizont sehen. Und fast immer endete die Nacht auch mit einem wunderschönen

Sonnenaufgang. Nur selten wurde dieser durch eine dichte Wolkendecke gestört.

So schaukelten wir uns also Seemeile für Seemeile näher an die Karibik. Kurz vor dem Ziel trennten sich die Wege unserer kleinen Buddy-Boat-Gruppe, denn wir wollten nach Barbados, zwei andere nach Tobago. Ein Boot war schon vorher auf direktem Weg nach Barbados gesegelt. Eben diese waren auch schon da und begrüßten uns, als wir dann nach 17 Tagen auf See endlich ankamen und in das warme, glasklare Wasser sprangen. 

Die Freude und der Stolz auf das Geschaffte waren riesengroß!

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